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Vorwort

Liebe Festspielfreunde

Die 15. Zürcher Festspiele stehen vor der Tür. Welchen Sinn machen diese Festspiele? Was können und dürfen wir von den Zürcher Festspielen erwarten?

Zürich ist geprägt durch eine ganz besonders vielfältige Kultur. In allen Bereichen finden wir Besonderes, Wertvolles, Überraschendes, weit über Zürich hinaus in die Welt Ausstrahlendes. Es macht Sinn, am Ende einer Spielzeit, den Blick auf das Ganze zu lenken und zu zeigen, wie sich die Künste in dieser Stadt begegnen, wie scheinbar Unverbundenes in einer Zusammenschau von Oper, Tanz, Theater, Musik und bildender Kunst zu neuer Wirkung kommt. Die Begegnung der Künste führt zu neuen Kunsterlebnissen, zu veränderten Kunsterfahrungen.

Diese Begegnungen können geplant und ungeplant sein. Immer entstehen, wie in einem leicht gedrehten Kaleidoskop, neue, überraschende Bilder und Einsichten. Ein Thema, welches in diesem Jahr immer wieder aufscheint, ist das Thema des Abschieds, des Abschieds als solchem, ja des Abschieds vom Leben. Viele Opern handeln nur davon, doch wenige so unterschiedlich eindringlich wie Verdis Falstaff, Wagners Parsifal und Janaceks Totenhaus. Im Schauspiel erleben wir in einer Theatralisierung der Schubert'schen Winterreise den fremden Wanderer, der einzieht und fremd wieder auszieht und eben seinen traurigen Abschied nimmt. Die beiden grossen Orchester der Stadt, das Tonhalle-Orchester Zürich und das Orchester des Opernhauses, rahmen die Festspiele ein mit Aufführungen der beiden bedeutendsten Requien der Musikgeschichte, jenem von Mozart und jenem von Giuseppe Verdi.

Die Zürcher Festspiele wollen jedoch noch mehr. Sie wollen sich mit kostenlosen Veranstaltungen der kulturinteressierten Bevölkerung öffnen, Schwellenängste abbauen und auch persönliche Begegnungen mit den an den Festspielen teilnehmenden Künstlern ermöglichen. Zu Beginn laden die Festspiele ein zum Eröffnungsfest und zum Festival der Künste auf dem Gelände der Gessnerallee sowie zum Sommernachtsball und dem «Klassik-Tag» in der Bahnhofshalle. Ohne Eintritt besucht werden können auch die drei traditionellen Open-Airs auf dem Münsterhof, eine Revue des Internationalen Opernstudios im Centralhof, Begegnungen mit bekannten Künstlern beim «Meet the Artist Day» sowie die Verleihung des Zürcher Festspielpreises der Bär-Kaelin Stiftung im Opernhaus.

Viel Vergnügen wünscht Ihnen

Ihr Peter F. Weibel